Corona hat den Alltag in der Kindertagesstätte schlagartig verändert



Unsere Helden

Zuhause bleiben, Home-Office, die Kinder im Haus beschäftigen, Einkaufen für die Großeltern und leere Straßen: Diese Dinge bestimmen derzeit unseren Alltag.
Doch es gibt sehr viele Menschen, die nicht zu Hause bleiben und im Home-Office arbeiten können. Die jeden Tag zur Arbeit gehen und sich um kranke oder alte Menschen kümmern. Die den Alltag mit Menschen mit Behinderung gestalten oder Kinder von Eltern betreuen, die ebenfalls in den systemrelevanten Berufen arbeiten.
Menschen, die schon im "normalen" Berufsalltag jeden Tag Höchstleistungen vollbringen. Und die derzeit noch eine Schippe obendrauf legen.
Einige dieser Menschen stellen wir in der Reihe "Unsere Helden" vor:


Teil 2: Andrea Ringel, Leiterin des „Hauses für Kinder“ und der „Kinderkrippe Blumenwiese“ in Nürnberg St. Johannis


Schon morgens um 6 Uhr stehen die ersten Eltern vor der Türe des Hauses für Kinder und der Kinderkrippe Blumenwiese im Nürnberger Stadtteil St. Johannis, um ihre Kinder herzubringen - abends ist die Einrichtung bis 17:30 Uhr geöffnet : Ein Service von Diakoneo, der gerade in diesem lebendigen Nürnberger Stadtteil sehr gut ankommt und gern genutzt wird. Insgesamt stehen circa 125 Plätze zur Verfügung. Schon zu normalen Zeiten gibt es hier ordentlich zu tun!


Mit Beginn der Schließung der Schulen und Kindertageseinrichtungen wegen der Corona-Krise hat sich das Leben in den beiden Einrichtungen von einem Tag auf den anderen schlagartig verändert. „Wir haben seither zwar deutlich weniger Kinder zu betreuen“, erklärt sie „aber der Aufwand für die Organisation und das Krisenmanagement ist enorm!“


Das Haus für Kinder ist seit dem 16. März geschlossen

Von offizieller Stelle wurden die Kindertageseinrichtungen in Bayern zum 16. März 2020 geschlossen. Ziel ist es, der weiteren Verbreitung des Covid-19 Virus mit aller Entschlossenheit entgegenzutreten. Betreut werden grundsätzlich nur noch die Kinder von Eltern, die in sogenannten „systemrelevanten“ Berufen tätig sind, also beispielweise Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger oder anderes Medizinpersonal in Kliniken und Einrichtungen.
„In der Notbetreuung haben wir aktuell zwischen acht und zehn Kinder, das klingt nicht viel, aber es ist das Drumherum, das uns gerade so zu schaffen macht.“ Und so kämpft Andrea Ringel gerade an mehreren Fronten gleichzeitig. Wegen der normalen Grippewelle hatte es unter ihren Mitarbeitenden ohnehin schon eine hohe Zahl an Krankmeldungen gegeben.
Hinzu kommen jetzt noch diejenigen, die wegen Corona unter Quarantäne stehen oder auch selbst inzwischen psychisch angeschlagen sind und das Haus entweder nicht verlassen dürfen, oder es nur ungern tun.
„Ich weiß auch gar nicht, wie ich entscheiden soll, wann jemand wieder gesund ist. Das Gesundheitsamt macht ja nur Tests, wenn jemand in einem Risikogebiet war. Aber ein wichtiger Teil der Arbeit besteht doch auch im Eigenschutz.“ Und so war eine der ersten Maßnahmen die Trennung von Kindergarten und Kinderkrippe, um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten und das Personal gut aufteilen zu können.


"Ich muss auch gut für mein Team und mich selbst sorgen."

Das Telefon steht nicht still. Viele Eltern fragen, ob sie ihre Kinder bringen können oder nicht und so muss Andrea Ringel schnell entscheiden, welche Berufe als „systemrelevant“ anzusehen sind und welche Kinder sie aufnimmt. „Dazu gibt es klare Vorgaben und letztlich hört sich das einfach an, aber da gibt es auch Verwaltungsberufe oder eben Dinge, die ich nicht wirklich überblicken kann.
Außerdem begegnen mir bei all dem auch täglich das Leid und die Sorge der Eltern. Viele bangen um ihren Arbeitsplatz, haben keine Urlaubstage mehr, die sie aufbrauchen können und sind auf das Einkommen dringend angewiesen, weil sie zum Beispiel Kredite abzahlen müssen. Bei all dem muss ich auch immer wieder gut für mich selbst und mein Team sorgen, damit wir all das nicht mit nach Hause nehmen.“


Nicht nur diese Fragen machen Andrea Ringel zu schaffen. Von einem Tag auf den anderen stellte die Firma, die bislang das Mittagessen anbot, den Betrieb ein. „Praktisch heißt das, wir gehen einkaufen und wärmen das vom Caterer tiefgefrorene Essen. Auch dazu braucht es Personal, das dann wieder in der Betreuung fehlt.


Ein großes Lob für mein Team

"Ein großes Lob will ich meinem Team aussprechen"" sagt Andrea Ringel. Jeder packt an und hilft mit wo es nur geht. Die Mitarbeitenden in Kindergarten und Krippe unterstützen sich gegenseitig. Es sind viele Telefonate mit besorgten Eltern zu führen, Informationen müssen vorab bewertet, gefiltert und weitergegeben werden und dann ist die aktuelle Nachrichtenlage ja permanent zu verfolgen!
Feierabend hat sie zur Zeit nicht wirklich: "Ich denke abends und am Wochenende viel über die Organisation nach, damit ich vorbereitet bin, wenn ich am Morgen angerufen werde."


Stress hoch 10“, stöhnt Andrea Ringel. Trotz allem wirkt sie gefasst und überlegt. Ob sie denn Erfahrung mit solchen Ausnahmezuständen hat? Plötzlich erinnert sie sich: „Einmal hatten wir in einem Kindergarten ein Hochwasser. Da konnten wir die Einrichtung nicht mehr betreten und mussten mit allen Kindern ins Pfarrhaus umziehen und dort die Betreuung improvisieren. Zum Glück gab es noch das Kinderspielzeug der inzwischen längst erwachsen gewordenen Pfarrerskinder. Aber das hier sind wirklich ganz andere Herausforderungen!“

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