Aufeinander angewiesen sein heißt voneinander profitieren



Unsere Helden

In der Serie "Unsere Helden" stellen wir Menschen vor, die schon im normalen Berufsalltag Höchstleistungen vollbringen. 

Sie kümmern sich jeden Tag um kranke oder alte Menschen. Sie gestalten den Alltag mit Menschen mit Behinderung und betreuen oder unterrichten Kinder. Viele entwickeln dabei kreative Ideen, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern.

 

 


Jan Dreßler arbeitet als Intensivpfleger am Diak Klinikum in Schwäbisch Hall

„Vor der Corona-Pandemie habe ich als Pfleger im Bereich Intensivmedizin und Anästhesie drei Patienten versorgt – ich konnte ohne große Sicherheitsvorkehrungen meine Arbeit tun, die Patienten lagern, waschen oder mit Medikamenten versorgen. In der momentanen Situation hat sich da viel verändert.“ Jan Dreßler ist 25 Jahre alt und seit seinem Abschluss als Gesundheits- und Krankenpfleger im Jahr 2015 arbeitet er als Anästhesiepfleger am Diak Klinikum. Derzeit macht er seine Fachweiterbildung im Bereich Intensivmedizin und Anästhesie.


„Wenn ich heute zu einem Patienten der mit Covid 19 infiziert ist, auf die Intensivstation gehe, ist alleine die Vorbereitung, um ein Zimmer zu betreten, sehr aufwändig“, erklärt Jan Dreßler. Nicht nur Schutzbrillen bzw. Visierhelme müssen angelegt werden, auch Haarnetze, Schutzkittel, FFP3-Maske und zwei Paar Handschuhe übereinander gehören zur Schutzausrüstung der Pflegekräfte. „Bis man erst einmal den Dreh raus hatte, dauerte das Ankleiden schon manchmal fünf Minuten, inzwischen schaffe ich es aber in drei“, sagt er und lacht.
Dass er zwei Paar Handschuhe übereinander anziehen muss, hat einen einfachen Hintergrund. „Wenn ich mit der Pflege des Patienten fertig bin und mich wieder der Ausrüstung entledige, bin ich immer noch einmal geschützt. Ich komme so nicht in die Gefahr, mit meinen Händen die kontaminierte Kleidung anzufassen“, erklärt er.


Die Pflege eines Covid 19 Patienten bedeutet enormen personellen Aufwand


Bevor Jan Dreßler das Patientenzimmer betritt, geht er im Kopf noch einmal alles durch, was er im Zimmer erledigen muss. Alle Utensilien müssen in dem Moment dabei sein, in dem das Zimmer betreten wird. „Ich kann in Schutzkleidung nicht einfach das Patientenzimmer verlassen und das, was ich vergessen habe, holen. Dafür brauche ich dann jemanden, der mir diese Sachen anreicht“, sagt er.
Häufig übernehmen diese Arbeiten Kolleginnen und Kollegen aus anderen medizinischen Fachbereichen. „Da derzeit wenige chirurgische Patienten am Diak behandelt werden, unterstützen uns die Pflegekräfte aus diesen Bereichen. Das ist eine enorme Hilfe“, ergänzt er. Wie viel personelle Ressourcen es alleine bedarf, um einen Patienten zu lagern, zeigt sich an diesem Beispiel:
„Ein Intensivpatient, der keine Corona-Infektion hat, kann von einer Pflegekraft unproblematisch mehrmals am Tag gelagert werden. In der Regel geschieht das alle drei Stunden.“ Patienten mit einer Covid 19 Infektion hingegen werden von mindestens zwei Pflegekräften gelagert, im Falle einer Bauchlagerung muss zusätzlich noch ein Arzt dabei sein, der am Kopf kontrolliert, dass der Beatmungsschlauch nicht verrutscht.
„Aber auch hier gilt für uns: Covid-Patienten werden gleich oft gelagert wie andere intensivpflichtige Patienten.“ Das heißt, mindestens alle drei Stunden müssen zwei Pflegekräfte in Schutzkleidung zum Patienten. Und das dauert seine Zeit. „Wir sind deutlich mehr aufeinander angewiesen und in einem noch engeren Austausch als wir es vor der Pandemie waren“, sagt Jan Dreßler. Derzeit sind am Diak Klinikum vier Corona-Patienten auf der Intensivstation, zu Hochzeiten waren es zehn. „Aber die Lage hat sich derzeit zum Glück etwas entspannt“, ist Dreßler erleichtert.


Die Datenbank SOPHIA macht medizinische Standards für alle zugänglich


Die Corona-Pandemie war für alle Ärzte und Pflegekräfte völliges Neuland. Nach und nach erst ergaben sich durch learning by doing Erfahrungswerte und daraus resultierende Handlungsempfehlungen und Standards. Diese zusammenzutragen und jedem Kollegen überall zugänglich zu machen, dem hat sich Jan Dreßler neben seiner Tätigkeit als Gesundheits- und Krankenpfleger außerdem verschrieben.
„Seit einiger Zeit gibt es eine internetbasierte Datenbank namens Sophia. Das steht für SOP Healthcare Information Assistant und hat die Aufgabe, den klinischen Alltag zu zentralisieren und medizinische Standards für jeden Mitarbeitenden überall zugänglich zu machen“, erklärt Dreßler das Projekt.
Im deutschsprachigen Gebiet ist das Diak bei der Nutzung der Datenbank in bester Gesellschaft. Neben den Unikliniken Kiel und Göttingen arbeiten auch mehrere Krankenhäuser in Stuttgart, Essen und Wien mit Sophia. „Besonders in der Corona-Zeit hat sich die Datenbank, die auch als App existiert, als hilfreich erwiesen. In Absprache mit Professor Steinfeldt, dem Chefarzt der Anästhesieabteilung, befülle ich Formulare mit unseren Erfahrungswerten. In dem Moment, in dem ich das Dokument veröffentliche, bekommen alle Nutzer der Sophia-App eine Push-Nachricht, in der sie sehen, dass es neue Informationen zur Behandlung von Corona-Patienten gibt.“
Ein enormer Mehrwert für die Kollegen, die mit der Plattform arbeiten. „Wir in Hohenlohe sind und waren ein Corona-Hotspot. Das heißt, wir haben deutlich mehr Erfahrungswerte sammeln können, als Kollegen in weniger betroffenen Gebieten. Der Mehrwert ist ganz klar: ohne viel Zeit zu investieren, können unsere Standards eingesehen und umgesetzt werden“, erklärt Jan Dreßler. Und so lernen die Kollegen anderer Häuser nun von Schwäbisch Hall.


Lehrvideos für junge Kolleginnen und Kollegen


Aber nicht nur für die Corona-Patienten ist Sophia ein hilfreiches Tool. In allen medizinischen Fachdisziplinen können auf der Plattform Erfahrungswerte und Standards ausgetauscht werden. „Wir arbeiten sehr viel mit selbst gedrehten Videos und Bildern“, ergänzt er. Mit dem Handy filmt der Intensivpfleger beispielsweise, wie ein Peridualkatheter gelegt wird. „Vor allem junge Kolleginnen und Kollegen profitieren enorm davon, da sie, noch bevor sie einen solchen Einsatz leisten müssen, genau einsehen können, wie so etwas zu funktionieren hat.“
Rund 200 Stunden hat er schon in die Befüllung der Datenbank investiert. Und das merkt man. „Schwäbisch Hall ist einer der Vorreiter in der Nutzung und Befüllung dieser Plattform – wir sehen, dass viele Kollegen aus anderen Kliniken und Bundesländern von unserem Wissen und der Arbeit, die wir investiert haben, nun profitieren und sich unser Wissen zu Nutze machen.“ Und das kommt letztendlich immer auch dem Patienten zu Gute. 

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