Die Thoraxkompression ermöglicht Herzdruckmassage über einen langen Zeitraum


Von Friederike Grünhagen-Wahl

Auf der Behandlungsliege im Herzkathetherlabor des Diakoneo Diak Klinikums in Schwäbisch Hall liegt eine Trainingspuppe für Notfallreanimationsübungen. An sie angeschlossen ist ein sogenanntes. Thoraxkompressionssystem – ein medizinisches Gerät also, das regelmäßige Kompressionen auf den Brustkorb ausübt. Chefarzt Dr. Ralf Völker vom Zentrum für Intensiv- und Notfallmedizin war maßgeblich beteiligt an der Anschaffung der Kompressionstechnik und freut sich nun, dass endlich damit trainiert werden kann.



„Der große Vorteil einer solchen Thoraxkompression ist, dass sie über einen sehr langen Zeitraum regelmäßige Herzdruckmassagen abgeben kann. Insbesondere bei Menschen, die beispielsweise eine Lungenembolie haben, ist das von großem Vorteil“, erklärt er. Bei einer Lungenembolie sind eines oder mehrere Lungenarterien verschlossen, im schlimmsten Fall können die verstopften Bahnen zum Tod des Patienten führen. Für eine adäquate Behandlung müssen die Mediziner daher ein Lysemedikament verabreichen, dass die verschlossenen Arterien wieder öffnet. „Bis die Medikation wirkt, dauert es aber rund eine Stunde. In dieser Zeit ist es enorm wichtig, dass der Patient weiterhin eine Herzdruckmassage erhält. „Hier kommt nun unser neues Thoraxkompressionsgerät zum Einsatz“, so Völker.
Ob die Anschaffung eines solchen Geräts sinnvoll ist, untersuchte Achim Schneller in seiner Facharbeit zum Fachpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin. „Unter dem Titel „Einsatz von Thoraxkompressionsgeräten in der Klinik“ habe ich wissenschaftliche Studien ausgewertet, die sich mit der Frage beschäftigt haben, ob eine solche Medizintechnik für ein Krankenhaus lohnenswert ist – und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass sowohl für den Patienten als auch für die medizinischen und pflegerischen Disziplinen eine Anschaffung ein echter Gewinn wäre.“ Denn, ergänzt Dr. Völker: „Eine lange Reanimation von über 60 Minuten ist für alle Beteiligten extrem anstrengend und bindet zudem enorm viele Ressourcen, die im Falle eines Emboliepatienten auch anderswo gebraucht werden. Wir können nun alle Kräfte bündeln. Daher ist eine solche Medizintechnik eine enorme Entlastung für uns, zugleich aber auch für den Patienten gewinnbringend.“


Thoraxkompressionsgeräte werden im Rettungswagen eingesetzt


Thoraxkompressionsgeräte werden in der Medizin schon lange eingesetzt, vermehrt in den letzten Jahren in Rettungswagen. „Man kann sich vorstellen, dass während einer sehr schnellen Fahrt im Rettungswagen eine Reanimation extrem schwierig ist, insbesondere hier im ländlichen Raum, mit vielen kurvigen Strecken“, weiß Völker. Daher unterstützt die Technik schon hier die Notfallsanitäter und Notärzte. Das Gerät lässt sich schnell und unkompliziert aufbauen. Der Patient wird mit dem Oberkörper auf eine Carbonplatte gelegt, an die das Gerät befestigt wird. Eine Art Arm wird über den Brustkorb des Patienten platziert. Dann wird die Häufigkeit und Dauer der Kompression eingestellt und schon kann der „Arm“ mit der Herzdruckmassage beginnen.

Digitales Dokumentationssystem bei der Medikamentengabe

Doch nicht nur im Bereich Akutversorgung hat für Völker und sein Team Patientensicherheit höchste Priorität. Auch in der täglichen Arbeit in der Zentralen Notaufnahme ist die Optimierung von Abläufen zum Wohle der Patienten Thema. „Hierfür haben wir nun analoge Patientenakte durch ein digitales Dokumentationssystem ersetzt. Unter anderem bietet dieses Tool zusätzliche Sicherheit bei der Gabe von Medikamenten.“ Verordnen nun Völker und seine Kollegen dem Patienten ein neues Medikament, tragen sie es in das Medikationstool ein und sehen sofort, ob es eventuell eine Wechselwirkung mit einem anderen Medikament gibt. „Wir sehen aber auch, ob das Medikament allergische Reaktionen beim Patienten auslösen kann“, so Völker. Bei knapp 50.000 verschreibungspflichtigen Medikamenten, die in Deutschland auf dem Markt sind, ist es nahezu unmöglich, jede Wechselwirkung und alle Bestandteile der Arznei zu kennen. „Deshalb ist dieses Tool so enorm hilfreich für uns.“

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass durch die Abschaffung der analogen Patientenakte jeder Kollege und jede Kollegin von ihren Dienstrechnern auf die Patientenakte zugreifen und bei der Visite direkt in das System eintragen können, wie die Vitalfunktionen des Patienten sind, ob er genug getrunken oder vielleicht einen Fieberschub hat. So können etwaige Übertragungsfehler vermieden werden.

Das Diak - Zentrum für Intensiv- und Notfallmedizin

Das Diakoneo Diak Klinikum in Schwäbisch Hall ist ein Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg und Haus der Zentralversorgung in der Region Hohenlohe und Schwäbisch Hall - mit insgesamt 23 Kliniken und Zentren und 492 Betten.

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