Zu Hause in Würde sterben



Unsere Helden

In der Serie "Unsere Helden" stellen wir Menschen vor, die schon im normalen Berufsalltag Höchstleistungen vollbringen. 

Sie kümmern sich jeden Tag um kranke oder alte Menschen. Sie gestalten den Alltag mit Menschen mit Behinderung und betreuen oder unterrichten Kinder. Viele entwickeln dabei kreative Ideen, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern.

 

 


Rose Braz-Grund arbeitet im Team der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung in Schwäbisch Hall

Von Friederike Wahl

Wenn Rose Braz-Grund sich zum Patienten aufmacht, ist die gelernte Krankenschwester mit Weiterbildung im Bereich Palliative Care ihre Pflegenotfalltasche dabei – Magensonden- und Kathetersets, Schmerzmedikamente und Infusionssysteme finden sich darin. Braz-Grund ist am Schwäbisch Haller Diak eine von sechs Pflegekräften, die Menschen in der letzten Lebensphase zu Hause betreut und begleitet. Sie ist Teil des SAPV-Teams. SAPV steht für Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung. Seit einem Jahr gehört dieser Teil der ambulanten Pflege im Landkreis Schwäbisch Hall und Hohenlohe und unteren Main-Tauber-Kreises fest zum Angebot von Diakonie daheim.


„Lange Zeit war der Landkreis hier ein weißer Fleck, was die Versorgung von Palliativpatienten zu Hause anging. Im letzten Jahr, also 2019, haben auch wir hier endlich ein solches Team etablieren können, dass sich um die Bedürfnisse sterbenskranker Menschen zu Hause kümmern kann“, sagt Braz-Grund. Seitdem versorgt sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen rund 30 schwerstkranke Menschen jeden Monat zu Hause.


Wunsch der Patienten: Im Kreis der Familie sterben


„Viele Menschen wünschen sich, im vertrauten Umfeld und im Kreis ihrer Familie sterben zu können. Wir möchten sie dabei begleiten und ihnen den letzten Lebensweg so angenehm wie möglich gestalten.“ Damit meint die erfahrene Palliativfachkraft, den Menschen beispielsweise die Schmerzen zu nehmen, die sie durch die Erkrankung erleiden müssen. „Wir begleiten viele Patienten mit z. B. onkologischen oder neurologischen Erkrankungen“, erklärt sie.
Häufige Begleiterscheinungen sind dabei starke Schmerzen, Übelkeit, Atemnot oder schlecht heilende Wunden. „Gemeinsam mit dem Hausarzt erstellen wir einen Therapieplan, wie wir dem Patienten bestmöglich seine Leiden verringern können“, ergänz Rose Braz-Grund weiter. Viele der Betroffenen sind hochbetagt, aber auch jüngere Menschen ab Mitte 40 nehmen die Unterstützung der SAPV in Anspruch. „Wir sind für alle da, die unsere Hilfe benötigen“, so Braz-Grund.


Wie lange ihre Kolleginnen und sie einen Patienten betreuen, hängt zum einen vom Erkrankungsbild ab, zum andern davon, wann das SAPV-Team durch eine hausärztliche Verordnung hinzugezogen wird. „Häufig begleiten wir Menschen nur noch wenige Tage – das hängt damit zusammen, dass sie manchmal aufgrund der Schwere der Erkrankung lange im Krankenhaus behandelt wurden.“ Um die letzten Lebenstage in der vertrauten Umgebung verbringen zu können, werden die Patienten nach Hause entlassen – wo Rose Braz-Grund und ihr Team sich deren Bedürfnissen annehmen. „Dass Menschen in Würde zu Hause sterben können, das ist unser Anliegen.“


Das SAPV-Team unterstützt die Patienten und ihre Familien zu Hause


Wie oft die Mitarbeitenden des SAPV-Teams zu den Patienten fahren, hängt vom jeweiligen Befinden ab. „In der Regel besuchen wir die Menschen einmal in der Woche, wenn der Leidensdruck aufgrund von Schmerzen oder Atemnot sehr groß ist, kommen wir auch häufiger. Das entscheidet der Patient und die Angehörigen“, sagt Braz-Grund. Geht es einem Patienten über einen längeren Zeitraum vergleichsweise gut und er hat keine Beschwerden, können auch telefonische Rücksprachen ausreichen. „In der Corona-Zeit war das ein Mittel, auf das wir häufig zurück gegriffen haben – waren aber dennoch, wenn vom Patienten gewünscht, auch immer bei ihm vor Ort“, ergänzt sie.


Uns ist es wichtig, dass die Patienten immer einen Ansprechpartner haben.


Zum SAPV-Team gehören neben den sechs Pflegekräften auch noch neun Ärzte, die die Fachweiterbildung in Palliativmedizin haben. „Die häuslichen Besuche werden bei Bedarf von den Pflegekräften oder Ärzten übernommen.“ Rund um die Uhr, das ganze Jahr über, sind die Mitarbeiter der ambulanten Palliativversorgung erreichbar. „Uns ist wichtig, dass die Patienten immer einen Ansprechpartner haben, der sich um sie kümmert und sich ihnen und ihrer Familie annimmt. Wir lindern nicht nur Schmerzen und sind medizinische Begleiter, wir hören zu, beraten oder koordinieren.
„Wenn wir sehen, ein Patient benötigt weitere Unterstützung, z. B. den ambulanten Hospizdienst, oder bestimmte Hilfsmittel, leiten wir das in die Wege.“ Braz-Grund und ihr Team sind auch Begleiter und Seelsorger. „Die Angehörigen sind froh, dass es uns gibt. Das Sterben eines geliebten Menschen mitanzusehen, macht hilflos. Dass wir da sind und auf dem schwierigen Weg begleiten, gibt den Patienten, aber auch den Angehörigen Kraft.“ 


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