Skoliose

Wirbelsäulenverkrümmung im Kindes und Jugendalter

Kinder lümmeln gern, hängen tief gebeugt über ihren Schulaufgaben und schlurfen mit Vorliebe beim Gehen – ein vertrauter Anblick, oder? Doch bei einer Haltungsschwäche nur von pubertärer Nachlässigkeit auszugehen, wäre leichtsinnig. Ein krummer Rücken kann auch ein Hinweis auf eine Skoliose sein, die krankhafte Seitwärtskrümmung und Verdrehung der Wirbelsäule. Eine Behandlung gelingt umso besser, je früher die Verformung erkannt wird.

Eine gesunde menschliche Wirbelsäule hat eine doppelte S‐Form: Der Halsteil ist nach vorn gekrümmt, der Brustteil nach hinten, der Lendenteil nach vorn. Diese Krümmungen sind nötig, um Lasten, die beim aufrechten Gang auf unsere Wirbelsäule einwirken, abzufangen und den Körper ins Gleichgewicht zu bringen.

Bei einer Skoliose (griechisch: „skolios“ = krumm) krümmt sich die Wirbelsäule zur Seite und auch die einzelnen Wirbelkörper sind in sich verdreht. Die abweichende Krümmung tritt bei Kindern häufig im Alter zwischen neun und zwölf Jahren auf, Mädchen sind fünfmal häufiger davon betroffen als Jungen. In Wachstumsphasen, besonders in der Pubertät, kann sich die Fehlstellung rasch verschlechtern. Auslöser ist dann vermutlich ein ungleichmäßiges Wachstum der Rückenmuskulatur und der Wirbelkörper – eine Seite wächst schneller als die andere, weswegen sich die Wirbelkörper unter dem einseitigen Zug in bestimmten Bereichen der Wirbelsäule verdrehen können. Aber auch Hormone, Erbanlagen und bestimmte Vorerkrankungen spielen bei der Krankheitsentstehung eine mögliche Rolle. In etwa 90 Prozent aller Fälle findet man jedoch keine genaue Ursache – Ärzte sprechen dann von der „idiopathischen” (strukturellen) Form der Skoliose.

Früherkennung ist wichtig

Unbehandelt führt eine Skoliose auf Dauer zu starken Rückenschmerzen und kann, neben einer möglichen Entstellung des Rumpfes, sogar die Funktion von lebenswichtigen Organen beeinträchtigen. Daher ist es wichtig, die Verformung rechtzeitig zu erkennen und ein Fortschreiten mit der richtigen Behandlung aufzuhalten. Die Vorsorgeuntersuchungen U 11 mit neun bis zehn Jahren und J 1 mit zwölf bis 14 Jahren sollten also unbedingt noch wahrgenommen werden. Denn dabei achtet der Kinder‐ und Jugendarzt auch noch einmal abschließend auf Abweichungen des Knochenbaus.

Anzeichen einer Skoliose

Im Anfangsstadium ist eine Skoliose nur schwer zu erkennen, zumal sie erst noch keine Beschwerden macht. Die Verbiegung ist am deutlichsten zu sehen, wenn sich das Kind im Stand nach vorne beugt (Adams‐Test). Erscheint eine Rückenhälfte besonders flach und die andere besonders hoch, besteht ein Verdacht. Häufig fällt ein ungleicher Schulter‐ oder Beckenstand auf. In manchen Fällen stehen auch die Rippen unterschiedlich weit vor (Rippenbuckel), die Schulterblätter sind ungleich hoch oder die Lendenmuskeln treten auf einer Seite deutlicher hervor (Lendenwulst). Spätestens bei einem dieser Symptome ist es ratsam einen Orthopäden aufzusuchen, am besten einen auf Skoliosen spezialisierten Kinder‐ und Jugendorthopäden.

Diagnostik und Therapie

Eine genaue Bestimmung des Ausmaßes ermöglicht auch dem Spezialisten erst das Röntgenbild. Bestimmt wird dabei der sogenannte Cobb‐Winkel, das heißt der Winkel der beiden am stärksten gekippten Wirbel oberhalb und unterhalb des entsprechenden Wirbelsäulenbogens. Die Werte liefern dem Orthopäden einen ersten Anhaltswert für die Behandlung. Je nach Ausprägung wird zunächst krankengymnastisch oder mit einem aktiven Korsett therapiert. Bei schweren Skoliosen kommt gegebenenfalls eine Operation infrage. Die endgültige Wahl der Therapie hängt jedoch vor allem davon ab, in welchem Abschnitt der Wirbelsäule die Skoliose liegt, ob die Krümmung weiter voranschreitet und ob bereits Verschleißerscheinungen erkennbar

sind.

In

 der kinderorthopädischen Chirurgie der Cnopfschen Kinderklinik in Nürnberg arbeitet ein Team von Experten für die Behandlung von Skoliosen im Kinder- und Jugendalter.
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