Behandlung von Long Covid Patienten an der Rangauklinik Ansbach

Menschen, die an Corona erkrankt waren, haben oftmals unabhängig von der Schwere ihrer eigentlichen Covid-Erkrankung einen sehr langen Weg zurück in ein normales Leben. Nach einem Jahr der Pandemie zeigt sich immer häufiger auch das sogenannte Post-Covid-Syndrom (Long Covid).
Unsere Autorin Anja Braun sprach darüber mit Dr. Thomas Fink, dem Chefarzt der Rangauklinik.

Durch ihre über 100jährige Geschichte als traditionelle Lungenfachklinik besitzt die Rangauklinik Ansbach eine große Expertise in der Therapie von Asthma, COPD, Krankheiten des Lungen- und Rippenfell und immunologisch bedingten Lungenerkrankungen, nun spezialisiert sie sich auch auf die Behandlung von Covid-Patienten. Zu Beginn der Pandemie stand zunächst die Akutversorgung der Covid-19-Patienten im Vordergrund. Schon bald wurde klar, dass die Erkrankung Langzeitfolgen mit sich bringt, die aufwändige Reha-Maßnahmen nach sich ziehen. Oft wird eine Reha direkt an die Krankenhausbehandlung angeschlossenen, damit Betroffene überhaupt wieder in der Lage sind, den Alltag selbstständig zu bewältigen. Inzwischen kommen immer mehr Patientinnen und Patienten in die Rangauklinik, die mit dem sogenannten Post-Covid-Syndrom kämpfen.

Unter dem Post-Covid-Syndrom oder auch Long-Covid versteht man eine ganze Reihe von Spätfolgen, die nach einer überstandenen Corona-Erkrankung auftreten können. Teilweise geschieht dies auch völlig unabhängig von der Schwere der eigentlichen Covid-19-Erkrankung. Es sind also nicht nur die Patienten mit einem schweren Verlauf, die beatmet wurden und bereits eine lange Zeit auf einer Intensivstation oder im Krankenhaus verbracht haben, sondern auch Menschen, die von der akuten Infektion kaum etwas bemerkten. Rund 40 Prozent der stationär behandelten Patienten und zirka 10 Prozent der Patienten, die die Infektion im häuslichen Umfeld auskuriert haben, leiden unter einem Post-Covid-Syndrom*. Im Laufe des letzten Jahres zeigte sich, dass die Akut-Erkrankung zum Teil schon über ein halbes Jahr zurücklag, die Patientinnen und Patienten jedoch immer noch unter verschiedensten Symptomen leiden und sich einige davon in diesem Zeitraum auch massiv verschlechterten.

Zu den Langzeitfolgen von Covid gehören zum Beispiel Kraftlosigkeit und/oder chronische Müdigkeit (Fatigue-Syndrom), Schmerzen, Atembeschwerden bis hin zu Atemnot, starker Husten, Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn, Ängste und Depressionen. Darüber hinaus stellen viele Betroffene fest, dass sie nicht mehr belastbar sind oder sich nicht mehr konzentrieren können.


Wenn Zähneputzen zur Herausforderung wird, ist an eine Rückkehr ins Arbeitsleben erstmal nicht zu denken

So unterschiedlich Menschen auf eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus reagieren, so unterschiedlich ist auch die Ausprägung der Post-Covid-Symptome. Diese Heterogenität stellt die behandelnden Reha-Teams vor große Herausforderungen. Durch die Expertise der Rangauklinik in der Behandlung von klassischen Lungenleiden, hat sich im letzten Jahr ein sehr guter Therapiestandard entwickelt, der große Erfolge zeigt. Ein Mix aus Bewegungstherapie, passiven Maßnahmen, Ergotherapie und Gesundheitsbildung hat sich inzwischen etabliert. So gehört zum Beispiel auch eine Rückenschule inzwischen fest zum Behandlungsprogramm, da viele der Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt über Rückenbeschwerden klagen. Aber auch das Training am Ergometer, um Kondition und Muskulatur aufzubauen, sowie Massagen oder medizinische Vollbäder, Wärmepackungen und Inhalationen stehen auf dem Therapieplan.


© Adobestock
 


Häufig berichten Betroffene auch von völliger Erschöpfung und chronischer Müdigkeit. Selbst kleinste Handgriffe und kurze Gespräche verlangen ihnen viel ab, sodass der Alltag alleine nicht mehr zu meistern ist. Dazu kommen oft zusätzliche Symptome wie ein anhaltendes Infektionsgefühl, Konzentrations- und Schlafstörungen, Muskel- oder Kopfschmerzen. Ist das der Fall, spricht man auch vom postviralen Fatigue-Syndrom (PVFS). Um dem damit verbundenen Überforderungsgefühl entgegen zu wirken, unterrichten die Therapeuten der Rangauklinik die Patienten in Entspannungstechniken wie Yoga, Progressive Muskelentspannung oder auch Autogenes Training, die auch zu Hause im Alltag umgesetzt werden können.

Der Ergotherapie kommt eine besondere Bedeutung bei der Reha nach einer Covid-Erkrankung zu. Patienten bemerken auffällig oft eine mentale Einschränkung. Sie haben Wortfindungsstörungen oder während eines Gespräches „wegfließende“ Gedanken, die sie auch nicht mehr zurückholen können. Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Konzentration und Gedächtnis werden durch die Ergotherapeuten gezielt trainiert. Bei Patienten die im Arbeitsleben stehen, werden speziell die Bereiche trainiert, die für eine Rückkehr in den Beruf wichtig sind.


„Die Angst ist am Schlimmsten“ – Auch die Psyche leidet nachhaltig


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Patienten, die einen schweren Covid-Verlauf hinter sich haben, berichten während der Reha häufig, dass sie große Angst davor haben, noch einmal das erleben zu müssen, was sie bereits hinter sich haben. Das Gefühl von Luftnot, nicht richtig atmen zu können oder es bewusst mitzubekommen, dass das eigene Leben am seidenen Faden hängt, bleibt.

Temporäre Erfolgserlebnisse wie zum Beispiel eine erfolgreiche Entwöhnung von der Beatmung, die Verlegung auf eine Normalstation, die Entlassung aus der Klinik oder das erste selbstständige Treppensteigen machen den Betroffenen immer wieder Mut und schenken neue Kraft, sich auf den Weg zu machen. Doch auch wenn der Körper die Auswirkungen von Corona nach und nach überwindet – die Psyche braucht oft länger.

In der Rangauklinik werden deshalb verschiedene Reha-Bausteine wie zum Beispiel die tägliche Atemtherapie bewusst als Gruppentherapie durchgeführt. Die Patientinnen und Patienten lernen dabei nicht nur wieder richtig zu atmen oder die Atemmuskulatur und das Zwerchfell richtig einzusetzen. Sie üben dabei auch, wie sie sich nach körperlicher Anstrengung oder bei akut auftretender Atemnot selbst aus der Situation helfen können. Es hat sich herausgestellt, dass genau dieses Erlebnis und der Austausch in der Gruppe, ein enorm wichtiger Baustein für die Reha von Covid-Patienten ist.

BR-Beitrag zur Covid-Reha in der Rangauklinik: Covid-19-Spätfolgen: Wie ein 29-Jähriger um die Genesung kämpft

Rehabilitation an der Rangauklinik

Hier geht es zur Rehabilitationsabteilung auf der Homepage der Rangauklinik.




*Das Robert Koch-Institut (RKI) meldet in seinem Lagebericht vom 22. November 2020 gut 600 000 Genesene von 918 269 bestätigten Fällen in Deutschland (Link zum pdf / zuletzt geändert am 25. Nov. 2020). Wie viele jedoch tatsächlich „genesen“, also frei von weiteren Symptomen sind, ist unklar. Das RKI stellt lediglich fest, dass etwa 40 % der in der Klinik behandelten Patienten längerfristig Unterstützung benötigten. Nach milder COVID-19-Erkrankung sei rund jeder 10. länger als 4 Wochen betroffen, über den Verlauf sei jedoch wenig bekannt (RKI Coronavirus/Steckbrief/Langzeitfolgen / zuletzt geändert am 23. Nov. 2020). Auch eine jüngste Bestandsaufnahme des privaten Krankenversicherers DKV nach Analyse von mehr als 10 000 Coronafällen bleibt vage. Sie beschränkt sich auf die Aussage, die Patienten seien nach Entlassung noch nicht gesund (DKV-Mitteilung vom 17. November 2020/ zuletzt geändert am 25. Nov. 2020).





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