Ärztin baut Brücken zwischen den Kulturen

Dr. Melek Karagöz-Perst arbeitet als Oberärztin in der Cnopfschen Kinderklinik. © Diakoneo/Claudia Pollok

Dr. Melek Karagöz-Perst ist in zwei Kulturen zu Hause: Die Ärztin ist in Ankara geboren und als Kleinkind mit ihren Eltern nach Deutschland gekommen. Ihre Eltern leben schon seit vielen Jahren wieder in der Türkei. Sie ist in Deutschland geblieben. Nach ihrer Ausbildung an der Kinderklinik St. Hedwig in Regensburg und an der Universitäts-Kinderklinik Würzburg arbeitet sie heute an der Cnopfschen Kinderklinik in Nürnberg als Oberärztin und behandelt dort überwiegend Früh- und Neugeborene.

In der Cnopfschen Kinderklinik werden Familien stark miteinbezogen. Doch die erfahrene Ärztin weiß: Familie ist nicht gleich Familie. „Menschen aus anderen Kulturkreisen empfinden Krankheit oft ganz anders.“ Deshalb hilft Dr. Karagöz-Perst ihren deutschen Kollegen Verhaltensmuster türkischstämmiger und muslimischer Patienten besser zu verstehen und das gegenseitige Verständnis füreinander zu verbessern.

„Probleme bereiten nicht alleine die sprachlichen Barrieren. Die interkulturellen Unterschiede beruhen in großem Maße auf unterschiedlichen ethisch-religiösen Wertvorstellungen“, erklärt Dr. Karagöz-Perst. Beim Süddeutschen Kongress für Kinder- und Jugendmedizin 2015 sprach sie erstmals über das Krankheitsempfinden im Islam, das sich sehr vom Deutschen unterscheidet. Seither hält sie immer wieder Vorträge über kultursensible Pflege und medizinische Behandlung von muslimischen Patienten.

Oft sind es kleine Gesten

Dr. Karagöz-Perst kennt das Krankenhaus-System in der Türkei gut. Familien haben dort einen anderen Stellenwert als in Deutschland. „In der Türkei werden Patienten von ihren Angehörigen gepflegt – nicht von Krankenschwestern und Pflegern. Sie versorgen den Kranken mit Essen, waschen ihn, machen das Bett. In deutschen Krankenhäusern werden in der Regel nur Kinder von ihren Eltern während eines Krankenhausaufenthalts begleitet. Bei Erwachsenen ist das nicht üblich.“

Auch der Umgang zwischen Arzt und Patient ist in der Türkei vertraulicher. „Oft sprechen Patienten den Arzt mit „ağabey“ – großer Bruder – oder „abla“ – große Schwester – an. Patienten mit türkischen Wurzeln empfinden das Arzt-Patienten-Verhältnis in Deutschland deshalb oft als sehr nüchtern und sachlich.“

Es sind Erklärungen wie diese, mit denen Dr. Karagöz-Perst im Alltag immer wieder Brücken zwischen den Kulturen baut. „Natürlich müssen sich muslimische Angehörige wie alle anderen an die Besuchszeiten halten. Und wir sollten versuchen, die Familie des Patienten soweit wie möglich mit einzubeziehen. Oft helfen schon kleine Gesten, wie den Patienten auch zu fragen, wie es seiner Familie geht, statt nur „Wie geht es Ihnen?“

Klinikleiter Peter Rahn ist froh, dass „Brückenbauer“ wie Dr. Karagöz-Perst in der Cnopfschen Kinderklinik arbeiten. „Der Ausländeranteil liegt in Nürnberg bei ca. 22 Prozent, davon stellen Türken die größteGruppe. Die Klinik Hallerwiese-Cnopfsche Kinderklinik bietet Patienten mitMigrationshintergrund eine kultursensible Gesundheitsversorgung an – voninternen Dolmetschern bis zu einem Muslimischen Gebetsraum. InterreligiöseGastfreundschaft ist bei uns selbstverständlich.“


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