Eine verschleppte Erkältung kann gefährlich sein fürs Herz

Trotz Erkältung zur Arbeit - kein Problem?

Trotz Erkältung zur Arbeit – eigentlich kein Ding, oder? Mit ein paar Medikamenten schafft man es schon über den Tag und lässt seine Kolleginnen und Kollegen nicht hängen. Doch die vermeintliche und falschverstandene Solidarität kann fatale Folgen haben.
Das erlebte auch die 22-jährige Alexandra Unbehauen aus Rot am See. Aufgrund einer verschleppten Erkältung trägt die junge Frau nun einen Herzschrittmacher und ist regelmäßig am Diak Klinikum bei Oberarzt Dr. Hans-Roman Füller von der Klinik für Herz- und Gefäßerkrankungen am Diak Schwäbisch-Hall in der Herzschrittmacher-Nachsorge.

Von Friederike Grünhagen-Wahl

Was kann nach einer verschleppten Erkältung passieren?

Herzschrittmacherpatienten Alexandra Unbehaun
Herzpatientin Alexandra Unbehauen macht heute eine Ausbildung zur Pflegefachfrau.

„Mir ist es unheimlich wichtig, die Menschen darüber aufzuklären, was durch eine verschleppte Erkältung eigentlich alles passieren kann“, sagt die Auszubildende für Gesundheits- und Krankenpflege. 2018 verschleppte sie eine vermeintlich harmlose Erkältung. Wenige Monate später, Anfang 2019 dann, bekam sie erste Beschwerden: Atemnot, Schmerzen und Herzrhythmusstörungen traten auf.
Zunächst sollten Verödungen der betroffenen Herzstruktur, sogenannte Ablationen, Besserung verschaffen. Im Laufe des Jahres wurde aber klar, dass Alexandra Unbehauen um eine Herzschrittmacherimplantation aufgrund von starken Herzrhythmusstörungen nicht herumkommen würde. „Das war natürlich erst einmal ein Schock“, so die junge Frau.
Ihre Herzrhythmusstörungen lagen direkt am Sinusknoten, also dem natürlichen Schrittmacher des Herzens. Ein Zweikammer-Schrittmacher wird der jungen Frau eingesetzt. „Zwei Elektroden leiten vom Gerät aus Reize in das Herz – die eine regt den Vorhof an, die andere meine rechte Herzkammer“, so die Auszubildende. Im Vorhof des Herzens übernimmt der Schrittmacher nun 85 Prozent aller Herzschläge. „Alleine daran sieht man, dass mein Gesundheitszustand sehr besorgniserregend war. Ich bin sehr dankbar, dass man am Diak die richtige Diagnose gestellt hat – das hat mir mein Leben gerettet.“

Wie arbeitet ein Herzschrittmacher?

Herzschrittmacher
Ein Herzschrittmacher unterstützt Alexandra Unbeuhauens Herz bei der Arbeit.

Heute ist Alexandra Unbehauen regelmäßig am Diak Klinikum zur Herzschrittmacher-Kontrolle bei Dr. Hans-Roman Füller. „Im Fall der Patientin war es dringlich, einen Herzschrittmacher einzusetzen“, so der Oberarzt.
Füller erklärt das Gerät wie folgt: „Damit das Herz, wie bei Frau Unbehauen, dauerhaft von einem Herzschrittmacher unterstützt werden kann, werden zwei Elektroden in eine größere Vene eingefädelt und dann bis ans Herz vorgeschoben. Dann werden die Elektroden mit dem Schrittmacheraggregat verbunden und das Gerät unterhalb des Schlüsselbeins unter die Haut geschoben“
Die Batterien, die in den Herzschrittmachern eingebaut sind, halten zwischen 10 und 15 Jahren – dann muss der Schrittmacher gewechselt werden. „Die Herzschrittmachersprechstunde nach dem Eingriff ist lebenswichtig für die Patienten. Denn dabei wird nicht nur die Laufzeit der Batterie getestet, sondern auch, ob der Herzschrittmacher so funktioniert wie er soll“, erklärt der Kardiologe. Dazu gehört unter anderem das Auslesen der EKG-Kurve um nachzuprüfen, ob zwischenzeitlich relevante Herzrhythmusstörungen aufgetreten sind oder bei manchen Patienten gar mittels Überstimulation bzw. Schockabgabe beendet werden mussten.
„So ein Herzschrittmacher ist ein intelligentes System. Es merkt genau, wenn mehr Schläge oder auch weniger benötigt werden. Das wird automatisch kontrolliert und reguliert“, weiß Dr. Füller.

Einschränkungen durch einen Herzschrittmacher?

Für das Auslesen des Herzschrittmachers benötigt der Kardiologe ein Programmiergerät. Der Programmierkopf, ähnlich aussehend wie ein alter Telefonhörer, wird auf den Schrittmacher gelegt und dieser so ausgelesen.
„Das Ganze funktioniert über einen Magnet, der Kontakt zum Schrittmacher aufnimmt und die Informationen ausließt und auf einen Monitor überträgt. Von dort aus kann ich Frau Unbehauens Werte genau interpretieren und prüfen, ob der Herzschrittmacher noch einwandfrei funktioniert, oder wir den Schrittmacher ggf. umprogrammieren müssen.
Jedes halbe Jahr lässt die Pflegeschülerin ihre Werte checken. „Das gehört nun einfach zu meinem Leben dazu. Aber ich bin froh und dankbar, dass man rechtzeitig gemerkt hat, was mit mir los war und mir helfen konnte“, so Unbehauen. Vorsichtig sein muss sie bei MRT-Untersuchungen. „Wenn sowas ansteht, muss ich vorher zum Kardiologen und den Impulsgeber für die Dauer der Untersuchung deaktivieren lassen.“
Ihre Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin kann sie ohne Einschränkungen absolvieren. Auch ihr Hobby Joggen kann sie wieder ausüben. „Ich darf halt keine Extremsportarten wie Freeclimbing machen. Aber ich denke, damit komm ich gut klar“, lacht sie.

Video: Nachtschicht im Herzkatheterlabor

Gerald Hofmann, Fachkrankenpfleger im Herzkatheterlabor und Mohammad Al Fayad, Oberarzt der Klinik für Kardiologie und Herzrythmusstörungen führen durch das Herzkatheterlabor und erklären ihren Alltag. Auf was kommt es im Notfall an? Wie läuft eine Herzkatheterbehandlung und was tun die Profis bei einem Herzinfarkt?

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Diakoneo-Experte
Dr. Hans-Roman Füller, Kardiologe in Schwäbisch Hall
Dr. Hans-Roman Füller ist Oberarzt an der Klinik für Herz- und Gefäßkrankheiten und betreut Patientinnen und Patienten in seiner Herzschrittmacher- Sprechstunde.
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