Experten raten zur Wärme-Ablationstherapie


Von Manulea Giesel

Vorhofflimmern ist häufigste Herzrhythmusstörung in der Kardiologie. Rund zehn bis 15 Prozent der über 80-Jährigen sind betroffen. Doch nicht jeder Betroffene spürt tatsächlich auch, dass etwas nicht stimmt. Chefarzt Professor Dr. Alexander Bauer vom Herzrhythmuszentrum am Diakoneo Diak Klinikum in Schwäbisch Hall hat viel Erfahrung in der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern.
Manuela Giesel hat mit ihm gesprochen.


Veröden bei Vorhofflimmern
Die Folgen von Vorhofflimmern werden häufig unterschätzt. Vorhofflimmern zählt zu den häufigten Herzrythmusstörungen. © Diak Schwäbisch Hall

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung

Vorhofflimmern ist nach wie vor die häufigste Herzrhythmusstörung in der Kardiologie und betrifft vor allem ältere Menschen. Rund zehn bis 15 Prozent der über 80-Jährigen sind betroffen. Herzrasen, Schwindel und Übelkeit, aber auch Atemnot und Brustenge können Symptome sein. Doch nicht jeder Betroffene spürt tatsächlich auch, dass etwas nicht stimmt. Chefarzt Professor Dr. Alexander Bauer vom Herzrhythmuszentrum am Diakoneo Diak Klinikum in Schwäbisch Hall hat viel Erfahrung in der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern. Er weiß: „Da die Erkrankung nicht akut zum Tode führt, werden die Folgen der Erkrankung häufig unterschätzt.“

Vielen Patienten kann heute schonend und schnell geholfen werden. Waren früher Medikamente, die häufig Nebenwirkungen auslösten, Mittel der Wahl, greifen die Expertinnen und Experten heute zur sogenannten Wärme-Ablationstherapie. Darunter versteht man die Verödung von krankhaften oder überzähligen Leitungsbahnen am Herzen. Dadurch können bestimmte Formen von Herzrhythmusstörungen dauerhaft beseitigt werden.

Zellen in den Lungenvenen und dem linken Herzvorhof werden minimalinvasiv ausgeschaltet

Ziel dieser Behandlung ist es, die Zellen in den Lungenvenen und dem linken Vorhof, die für die elektrische Instabilität im Herzen verantwortlich sind, auszuschalten. Dieser Eingriff erfolgt minimalinvasiv über eine Punktion der Vene in der Leiste. „Das Verfahren ist erfolgreich – binnen weniger Jahre konnte eine deutliche Senkung der Sterblichkeit bei Patienten mit Vorhofflimmern nachgewiesen werden“, sagt Professor Bauer.

Neue Studienergebnisse zeigen auch, dass eine frühzeitige Ablationstherapie bei Vorhofflimmern effizienter ist, als zunächst eine Therapie mit Medikamenten. Rund 75 Prozent der durch eine Ablation behandelten Patienten hatten anschließend wieder einen normalen Herzrhythmus. In medikamentös behandelten Gruppe lag der Wert bei nur 45 Prozent.

„Die Komplikationsrate der beiden Therapieverfahren zeigt keinen Unterschied, obwohl bei der Ablationstherapie invasiv im Herzen therapiert wird“, erklärt Professor Bauer und ergänzt: „Gerade Menschen, die unter Vorerkrankungen des Herzens leiden, profitieren von einer frühzeitigen Ablationstherapie.“ Vorhofflimmern kann, wenn es nicht rechtzeitig entdeckt und therapiert wird, chronisch werden. Das erschwert eine spätere Therapie enorm. „Je früher wir also Bescheid wissen, desto schneller können wir therapeutisch handeln und dem Patienten helfen“, sagt Bauer.

Ebenfalls möglich: Cyro-Ablation

Nicht nur Wärme-Ablationen stehen den Kardiologen bei der Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern zur Verfügung. Auch die sogenannten Cyro-Ablation rückt vermehrt in den Fokus der Behandelnden. Die betroffenen Zellen werden dann nicht mit Wärme behandelt, sondern vereist. Dabei wird über die linke Lungenvene ein Zugang zur linken Vorkammer des Herzens gelegt und diese dann mit einem speziellen Vereisungsballon behandelt. Die Kältetherapie eignet sich aber nur für Ersteingriffe und solange das Vorhofflimmern noch nicht chronisch ist. „Mit der Kälte-(Cryo) Therapie steht eine schnelle und komplikationsarme Therapie zur Verfügung“, so der Kardiologe. Für Patienten mit bereits erfolgter Ablationstherapie oder schon länger anhaltendem Vorhofflimmern ist weiterhin die Wärme-Ablation (Radiofrequenzablation) die Therapie der Wahl.

Nicht nur die Ablation, sondern auch die Kardioversion, also eine Elektroschock-Therapie kann Patienten mit anhaltendem Vorhofflimmern helfen. „Allerdings ist diese Art der Behandlung nicht langfristig. Das Vorhofflimmern kann immer wieder auftreten und wird derzeit von uns vor allem als Überbrückungstherapie bis zu einer Ablation verstanden“, weiß der Kardiologe.


Kontakt Innere Medizin I am Diak in Schwäbisch Hall

Der Schwerpunkt der Inneren Medizin I am Diak in Schwäbisch Hall liegt auf der Versorgung von Patienten mit Erkrankungen des Herzens (Kardiologie), des Herzrhythmusses (kardiale Elektrophysiologie) und der Gefäße (Angiologie).

Das Herzrhythmusteam am Schwäbisch Haller Diak Klinikum besteht aus Chefarzt Prof. Dr. Alexander Bauer und den drei Oberärzten Dr. Roman Füller, Dr. Peter Bruvers und Dr. Mohammad Al Fayad.

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