Erklärvideo gibt Eltern Tipps für die schnelle Reaktion im Notfall


Oft geht es ganz schnell – eben hat das Kind noch friedlich gespielt, im nächsten Moment fangen unerwartet seine Gliedmaßen an zu zucken und es verliert das Bewusstsein: Es hat einen Fieberkrampf. Was steckt dahinter und wie muss ich als Elternteil reagieren?

Von Dr. Katrin Seybold (Cnopfsche Kinderklinik Nürnberg) und Helmut Schemm

Ein Erklärvideo für Eltern:




Auslöser für diesen Krampfanfall ist ein plötzlicher Fieberanstieg. Besonders betroffen sind Kleinkinder. Genauer gesagt, lässt sich die Erkrankung vor allem bei Kindern im Alter zwischen sechs Monaten und dem fünften Lebensjahr beobachten. Das Risiko, dass ein Fieberkrampf mindestens einmal im Leben auftritt, liegt bei circa zwei bis fünf Prozent. Es kann sich um eine einmalige Episode handeln, ein erneutes beziehungsweise häufigeres Auftreten ist aber durchaus möglich.

Viele Eltern empfinden die Situation als äußerst bedrohlich. Doch mit dem richtigen Wissen ist es kein Problem, den Fieberkrampf unbeschadet zu überstehen. Gleichzeitig sind vielzählige Befürchtungen und Ängste mit der Erkrankung verbunden, die sich aber sehr einfach entkräften lassen. So sind betroffene Kinder meist ganz normal entwickelt und völlig gesund. Auch wenn Fieberkrämpfe häufiger auftreten, bedeutet das keine Beeinträchtigung in der Entwicklung im Vergleich zu Kindern ohne dieses Leiden. Ein Fieberkrampf hat zudem in der Regel keine gesundheitlichen Folgen. Spätestens im Schulalter verliert sich die Neigung zu diesen Krampfanfällen.


Was ist eigentlich ein Fieberkrampf und was sind die Ursachen?

Bei der Erkrankung handelt es sich um einen vom Gehirn des Kindes ausgehenden Krampfanfall bei Fieber. Häufig kommt es vor, dass das Zucken der Gliedmaßen als erstes Symptom wahrgenommen wird, ohne dass die Eltern vorher das Fieber beim Kind bemerkt haben. Zugrunde liegt eine Veranlagung des kindlichen Gehirns, in einer bestimmten Entwicklungsphase auf Fieber mit einem Krampfanfall zu reagieren. Das erklärt, warum überwiegend Kinder in einer bestimmten Altersspanne betroffen sind. Die Höhe der Temperatur spielt nur eine untergeordnete Rolle. Gewöhnlich kommt es gleich am Anfang einer fieberhaften Erkrankung zum Krampfanfall. Meist ist die Ursache ein harmloser Infekt, nur in seltenen Fällen liegt dem Fieberkrampf eine schwerwiegende Infektion zugrunde.


Wie sieht ein Fieberkrampf aus?


Typische Merkmale für einen Fieberkrampf sind

  • der Bewusstseinsverlust,
  • die Blaufärbung im Bereich der Lippen
  • sowie Muskelzuckungen, Muskelverspannungen oder die Schlaffheit der Muskeln.


Bei den meisten Fieberkrämpfen handelt es sich um sogenannte einfache Fieberkrämpfe, welche nach wenigen Minuten von selbst wieder aufhören. In seltenen Fällen dauert der Anfall länger als 15 Minuten und es müssen Medikamente gegeben werden. Dann spricht man vom sogenannten komplizierten Fieberkrampf.


Was tun bei einem Fieberkrampf?
Bei einem Fieberkrampf gibt es für die Eltern einiges zu beachten.



Was kann ich tun, wenn mein Kind einen Fieberkrampf hat?

  • Das wichtigste ist, Ruhe zu bewahren.
  • Im nächsten Schritt sollten alle Gegenstände, an denen sich das Kind verletzen könnte, aus dem Weg geräumt und das Kind vor einem Sturz geschützt werden.
  • Achten Sie darauf, dass es flach auf dem Boden und möglichst in Seitenlage liegt.
  • Bei Bedarf kann die Kleidung des Kindes gelockert werden, damit eine möglichst freie Atmung möglich ist.
  • Hingegen sollte unbedingt darauf verzichtet werden, dem Kind Getränke oder Nahrung zu geben, denn es besteht Erstickungsgefahr.
  • Zudem darf es auf keinen Fall geschüttelt werden, die Verletzungsgefahr ist zu groß und der Anfall lässt sich dadurch nicht beenden.
  • Verständigen Sie zügig eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt beziehungsweise den Rettungsdienst.
  • Nach einem Anfall können Sie Fieber bei Ihrem Kind messen. Das Fieber kann durch geeignete Fieberzäpfchen gesenkt werden.
  • Sie sollten auch kurz nach dem Krampfanfall erst einmal auf eine Gabe von Medikamenten oder Flüssigkeiten über den Mund verzichten.


Sehr gut ist, wenn Sie sich nach dem Anfall die ungefähre Dauer des Fieberkrampfes sowie die Lokalisation der Zuckungen (nur Arme, nur Beinen, überall, nur eine Seite, oder beidseitig) ins Gedächtnis rufen können. Dies sind wichtige Informationen für den behandelnden Arzt.

Das Kind sollte nach einem Fieberkrampf unbedingt von einem Kinderarzt gesehen werden. Dieser kann die sehr selten vorkommenden schwerwiegenden Erkrankungen ausschließen und gegebenenfalls auch weitere notwendige Untersuchungen einleiten.

Wenn Ihr Kind zum wiederholten Male einen Fieberkrampf erleidet und der Anfall mehrere Minuten dauert, ist die Gabe eines Notfallmedikamentes notwendig. Darüber wird Sie ihr Kinderarzt ausführlich informieren und aufklären.


Kann ich etwas vorbeugend tun, um einen Fieberkrampf zu vermeiden?


Leider gibt es kein Medikament oder keine Maßnahme, um die Entstehung eines Fieberkrampfes im Vorfeld schon zu verhindern. Allgemein kann man sagen, dass bei fieberhaften Infekten, unter denen es dem Kind sichtlich schlecht geht, das Fieber mit entsprechenden vom Kinderarzt empfohlenen Maßnahmen und Medikamenten gesenkt werden sollte.

Wichtig ist, dass Sie sich klarmachen, dass Sie einen Fieberkrampf nicht verhindern können. Genauso wichtig ist es zu beherzigen, dass sowohl ein einziger als auch wiederholte Fieberkrämpfe die Entwicklung Ihres Kindes in der Regel weder verzögern noch negativ beeinflussen. 


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