"Der enge menschliche Kontakt fehlt einfach – den Patienten und im Team. Das macht Pflege doch aus." 



Unsere Helden

Zuhause bleiben, Home-Office, die Kinder im Haus beschäftigen, Einkaufen für die Großeltern und leere Straßen: Diese Dinge bestimmen derzeit unseren Alltag.
Doch es gibt sehr viele Menschen, die nicht zu Hause bleiben und im Home-Office arbeiten können. Die jeden Tag zur Arbeit gehen und sich um kranke oder alte Menschen kümmern. Die den Alltag mit Menschen mit Behinderung gestalten oder Kinder von Eltern betreuen, die ebenfalls in den systemrelevanten Berufen arbeiten.
Menschen, die schon im "normalen" Berufsalltag jeden Tag Höchstleistungen vollbringen. Und die derzeit noch eine Schippe obendrauf legen.
Einige dieser Menschen stellen wir in der Reihe "Unsere Helden" vor:


Yvonne Theresia Noventa, Krankenschwester und Bereichsleitung in der Klinik Hallerwiese in Nürnberg

Auch die Klinik Hallerwiese-Cnopfsche Kinderklinik von Diakoneo hat eine Station für Covid-19-Patienten eingerichtet. Die Pflegekräfte und Ärzte, die hier arbeiten, kennen den Umgang mit infektiösen Patienten und Schutzmaßnahmen gegen Krankenhauskeime wie MRSA oder Influenza. Doch die Corona-Pandemie hat auch ihren Alltag auf den Kopf gestellt.

Die Patientenzimmer dürfen nur mit spezieller Schutzkleidung betreten werden. Für die Mitarbeiter, die direkt am Patienten arbeiten, heißt das: OP-Kleidung, Schutzkittel, Haube, Schutzbrille oder Visier, zwei Paar Handschuhe übereinander und FFP2-Maske anlegen.

„Am Anfang habe ich bestimmt fast fünf Minuten gebraucht, um die komplette Schutzkleidung anzuziehen“, berichtet Krankenschwester Yvonne Theresia Noventa: „Mit der Zeit wird man dann schneller und routinierter. Aber man schwitzt schon sehr darunter“.

Den Patienten nahe sein, trotz Distanz

Schwester Yvonne ist Bereichsleitung für die Pflegekräfte auf der Station. Gemeinsam mit ihrem Team und den Ärzten hat sie die Station in den vergangenen Wochen für die Behandlung von Covid-19-Patienten vorbereitet. Besonders wichtig ist ihr, dass sich ihre Kolleginnen und Kollegen hier sicher fühlen und dass sie trotz aller Distanz so etwas wie Nähe zu den Patienten aufbauen können. „Was unseren Patienten am meisten zu schaffen macht, ist, dass sie keinen Besuch bekommen dürfen. Der enge menschliche Kontakt fehlt einfach – den Patienten und im Team. Das macht Pflege doch aus. Aber jetzt geht das leider nicht.“

Deswegen müssen Schwester Yvonne und ihre Kollegen andere Wege finden, um den Patienten zu zeigen, dass sie nicht allein sind. „Die Angehörigen der Patienten rufen oft an, um zu fragen wie es ihnen geht. Wenn wir dann ins Patientenzimmer gehen, um die Grundpflege durchzuführen, ihnen beim Essen zu helfen oder Medikamente zu verabreichen, erzählen wir ihnen davon. Und auch wenn wir gerade nicht im Zimmer sind, können wir mit ihnen über eine Sprechanlage reden. Außerdem stellen wir Tablets zur Verfügung, damit sie mit ihren Familienangehörigen oder Freunden sprechen können und dabei ihre Gesichter sehen, wenigstens virtuell.“

Große Solidarität im Team

Pro Schicht arbeiten immer dieselben Pflegekräfte direkt am Patienten, damit die Schutzkleidung nicht ständig an- und ausgezogen werden muss – denn das birgt die Gefahr einer Infektion, erklärt Schwester Yvonne. Die anderen Kollegen unterstützen dann den Mitarbeiter im Patientenzimmer, indem sie zum Beispiel die Medikamente vorbereiten und hineinreichen oder das Essen bereitstellen.

„Ich bin total stolz auf mein Team. In wenigen Tagen haben wir gemeinsam die Abläufe in der Covid-Station auf die Beine gestellt und optimiert. Trotz der sehr herausfordernden Situation ist es im Team wirklich ein schönes Arbeiten. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Schwester Yvonne.

Als Bereichsleitung hat sie einige ihrer Mitarbeiter vorab gefragt, ob sie in der neu errichteten Covid-Station bleiben möchten – denn keiner soll Angst bei der Arbeit haben. „Die Gesundheit meiner Mitarbeiter liegt mir am Herzen. Wir haben auf der Station alles an persönlicher Schutzausrüstung, was wir für einen sicheren Umgang mit den Covid-19-Patienten benötigen. Mitarbeiter mit Vorerkrankung oder welche, die sich dieser Stresssituation nicht gewachsen fühlen, können vorübergehend in eine andere Station wechseln. Fragen und Ängste können ganz offen besprochen werden.“

Schwester Yvonne erfährt in diesen Tagen aber auch große Solidarität und Vertrauen in ihrem Team: „Die Kollegen sind engagiert, bringen konstruktive Vorschläge mit ein, helfen einander und halten enorm zusammen.“

Die Politik muss nach der Corona-Krise handeln

Auch privat bekommt Schwester Yvonne im Moment viele Anrufe von Familienmitgliedern und Freunden, die ihr Kraft wünschen. „Die Wertschätzung, die wir gerade für unseren Beruf erfahren, tut natürlich gut. Mir wäre es aber lieber gewesen, es hätte vorher schon ein Bewusstsein dafür gegeben. Aktionen wie am Balkon zu klatschen oder kostenlose Pizza für Klinik-Mitarbeiter sind schön, aber wichtiger ist mir, dass wir Pflegekräfte nach der Corona-Krise nicht in Vergessenheit geraten. Die Probleme in der Pflege sind seit Jahren bekannt – der Pflegenotstand, das Gehalt. Nach der Corona-Krise ist die Politik in der Pflicht zu handeln.“

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