Priv.-doz. Dr. Birgit Herting ist Chefärztin für Neurologie und Gerontoneurologie am Diak Klinikum von Diakoneo. Hier hat sie die wichtigsten Fakten zur Lyme-Borreliose und und ihren Überträger zusammenfasst.

Priv.-Doz. Dr. Birgit Herting, Chefärztin der Klinik für Neurologie und Gerontoneurologie © Das Diak

Überträger verschiedener Infektionskrankheiten: Die Zecke

Durch einen Stich der Schildzecke können verschiedene Infektionskrankheiten übertragen werden. Am häufigsten tritt hier bei uns die sogenannte Lyme-Borreliose auf (60.000 bis über 200.000 Neu-Erkrankungen pro Jahr), die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht wird. Zecken können aber auch Überträger von FSME -Viren sein, einer Entzündung von Hirnhäuten und Gehirn mit anfänglich typischerweise hohem Fieber und Kopfschmerzen (Frühsommer-Meningoenzephalitis).

Die frühe Borrelieninfektion zeigt sich dagegen bei 80–90% der Patienten als „Wanderröte“ an der Stelle des Zeckenbisses. Nach wenigen Tagen bis Wochen kann es zu Allgemeinbeschwerden wie Krankheitsgefühl, Muskel- und Gelenkschmerzen, leichter Temperatur-Erhöhung oder Nachtschweiß kommen.

Lyme-Borreliose – Vorsorge ist besser als Nachsorge

Bislang liegen keine verlässlichen Zahlen über die Häufigkeit der Lyme-Borreliose in den einzelnen europäischen Ländern vor. Außerdem ist die Dichte von infizierten Zecken regional sehr unterschiedlich. Untersuchungen von Zecken in Süddeutschland zeigen, dass durchschnittlich 20% der erwachsenen Zecken mit Borrelien infiziert sind. Bei Menschen steigt dann das Infektionsrisiko der Übertragung von Borrelien mit der Dauer der Saugzeit der Zecke an.

Daher ist die frühzeitige Entfernung der Zecken, bevor sie sich mit Blut vollgesaugt haben, sehr wichtig. Nach einem Aufenthalt im Freien sollte deshalb noch am gleichen Tag der Körper nach Zecken abgesucht und diese dann mit einer Zeckenpinzette oder Zeckenkarte sofort entfernt werden. Bevorzugte Saugstellen sind am Kopf, Haaransatz, am Hals und unter den Armen, zwischen den Beinen und in den Kniekehlen, also in feuchten Hautfalten. Wichtig ist die Nachbeobachtung der Zeckenstichstelle in den nächsten 6 Wochen. Eine unmittelbar nach dem Stich auftretende Rötung durch die Zeckenspeichelstoffe bildet sich innerhalb einiger Tage zurück. Tritt danach erneut eine Rötung auf oder vergrößert sich die anfängliche Rötung auf 5 cm oder mehr, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Ein zugelassener Impfstoff zur Anwendung bei Menschen ist für die Borreliose derzeit nicht verfügbar, wohl aber für die FSME. Diese Impfung wird allen Personen empfohlen, die sich in Risikogebieten – dazu zählen die meisten Kreise in Baden-Württemberg und Bayern – privat oder beruflich viel im Freien aufhalten. Wichtig ist dennoch, Zeckenstiche nach Möglichkeit zu vermeiden, also bei Spaziergängen auf festen Wegen zu bleiben, Unterholz, hohes Gras und Hautkontakt zu bodennahen Pflanzen zu meiden, sich feste Schuhe anzuziehen und auf helle Kleidung zu achten, da sich darauf die Zecken besser auffinden lassen.


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