Während und nach der Krebstherapie anhaltend erschöpft – Beratung bei Fatigue-Syndrom


Lange Zeit hat die Medizin das Erschöpfungssyndrom, auch Fatigue-Syndrom genannt, bei Tumorpatienten unterschätzt. Wie erkennt man das Syndrom und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? 
Manuela Giesel hat sich darüber mit Dr. Annette Haman unterhalten. Dr. Haman ist Fachärztin für Innere Medizin und Homöopathie am Diak Klinikum in Schwäbisch Hall.


Ganzheitliche Behandlung des Fatigue-Syndroms
Im Bereich der Komplementärmedizin gibt es viele Ansätze zur Behandlung des Fatigue-Syndroms.


Wer sich an seinen Französischunterricht erinnert, kennt das Adjektiv "fatigue". Das bedeutet soviel wie müde. Ähnlich versteht sich auch das danach benannte Syndrom, eine außerordentliche Müdigkeit, mangelnde Energiereserven oder ein massiv erhöhtes Ruhebedürfnis, das absolut unverhältnismäßig zu vorangegangenen Aktivitäten scheint. Das Besondere daran ist, dass es sich durch normale Erholungsmechanismen nicht beheben lässt. Auch Schlaf führt nicht zur erhofften Regeneration. Fatigue kann Tumorpatienten während einer Erkrankung und Therapie betreffen, aber auch Monate, oder sogar Jahre später.


Das Syndrom kann sich auf unterschiedliche Art und Weise zeigen: Bei manchen Patienten steht die physische Erschöpfung mit Kurzatmigkeit, schneller Ermüdbarkeit oder Herzjagen im Vordergrund. Andere leiden eher unter Antriebslosigkeit, Depression oder verminderter Gedächtnisleistung.


Risiko und Ursachen für das Fatigue-Syndrom


Die Fachärztin für Innere Medizin und Homöopathie Dr. Annette Haman am Diak Klinikum in Schwäbisch Hall weiß: „Je stärker und früher die Beschwerden schon während der Tumortherapie auftreten, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese nach Beendigung der Therapie bestehen bleiben. Die Wahrscheinlichkeit während einer Tumorerkrankung ein Fatigue-Syndrom zu entwickeln ist sehr hoch und liegt bei bis zu 90 Prozent.“


Die Ursachen für die Erkrankung sind bis heute nicht vollständig geklärt und schwer fassbar. Sicher spielt jedoch die Therapie als Auslöser eine große Rolle. Fatigue ist die häufigste Nebenwirkung bei Krebspatienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen. Oft beginnen die Symptome drei bis vier Tage nach Beginn der Behandlung. Es kann im Zusammenspiel durch chronischen Stress, durch Blutarmut und Medikamente entstehen. 
Es gibt noch eine andere Ursache für die Entstehung des Syndroms:


Aber es kann genauso gut auch die Angst vor einer erneuten Krebserkrankung sein - das ist für Patienten sehr schlimm und immer präsent.


Das Risiko wird außerdem durch die Wechselwirkung von Arzneimitteln, durch bestehende Schlafstörungen, Infektionen, durch reduzierte körperliche Fitness oder Ernährungsstörungen begünstigt.


Die Diagnose des Fatigue-Syndroms und ihre Schwierigkeiten


Für die Diagnose einer chronisch verlaufenden Fatigue-Erkrankung gibt es einen Katalog, der 11 Symptome umfasst. Treffen mindestens 6 davon zu und sind bereits eine gewisse Zeit spürbar, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine Fatigue-Erkrankung. Die Symptome verursachen in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigung in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Bereichen.
Die Komplementärmedizinerin erklärt weiter: „Eine Alltagsnormalität ist mit dieser Erkrankung kaum möglich. Im Beruf, bei Freunden und Familie trifft man damit auf kein Verständnis. Damit einher geht deshalb eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität.“ Schwierig ist auch die Abgrenzung zu den Symptomen einer Depression und die unterschiedliche Wahrnehmung der Erkrankung durch behandelnde Ärzte und betroffene Patienten selbst.

Symptome Fatigue-Syndrom:


  • Müdigkeit, Energiemangel oder inadäquat gesteigertes 
    Ruhebedürfnis
  • Gefühl der generalisierten Schwäche oder Gliederschwere
  • Konzentrationsstörungen
  • Mangel an Motivation oder Interesse, den normalen Altersaktivitäten nachzugehen
  • Gestörtes Schlafmuster (Schlaflosigkeit oder übermäßiges Schlafbedürfnis)
  • Erleben des Schlafs als wenig erholsam
  • Gefühl, sich zu jeder Aktivität zwingen zu müssen
  • Ausgeprägte emotionale Reaktion auf die empfundene Erschöpfung, beispielsweise Niedergeschlagenheit, Frustration, Reizbarkeit
  • Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags
  • Störungen des Kurzzeitgedächtnisses
  • Nach körperlicher Anstrengung mehrere Stunden andauerndes Unwohlsein 

Welche Möglichkeiten zur Behandlung gibt es?


So vielfältig wie die Symptome des Fatigue-Syndroms scheint auch der Strauß an Behandlungsmöglichkeiten. Vorrangig sollte Diagnostik und Therapie Maßnahmen berücksichtigen, die unmittelbar beeinflussbar sind, beispielsweise eine bestehende Blutarmut.
Andere wiederum legen ihren Schwerpunkt auf die Behandlung einer Infektion oder einer vorhandenen Schlaflosigkeit. Falls nach intensiver Prüfung alle Voraussetzungen gegeben sind, eignen sich körperlich therapeutische Maßnahmen hervorragend, so Dr. Haman: 

Es ist ein Fehler, Fatigue als normale Reaktion auf die Therapie anzusehen und sich zu schonen.


"Patienten, die während der Chemotherapie täglich ein moderates Ausdauertraining auf einem Laufband durchführten, hatten kaum eine Reduktion ihrer Leistungsfähigkeit, wie es sonst zu beobachten ist. Insgesamt gibt es zur Bewegungstherapie und der Verbesserung der Fatigue eine sehr gute Studienlage."
Stressreduktionstraining, Begleitung durch Psychoonkologen, eine gute Organisation des Tagesablaufs und das Führen eines Patiententagebuches können weiter unterstützen. Zur individuell abgestimmte Therapie gehören auch Entspannungstechniken, die Neudefinition von Beziehungen, Ablenkungsstrategien, medikamentöse Einstellung und komplementäre Maßnahmen.
Erfolgreiche Ansätze in der Komplementärmedizin, die sich mit der Behandlung des Fatigue beschäftigen, sind zudem Akkupunktur, Ausgleich von Mikronährstoffmangel, Wickel oder die Misteltherapie.

Beratung und Behandlung Fatigue-Syndrom

    In der Sprechstunde für Komplementärmedizin am Schwäbisch Haller Diak Klinikum gibt es ein rein durch Spendengelder finanziertes Angebot für interessierte onkologische Patienten, die sich neben der Standard-Krebs-Therapie naturheilkundlich begleiten lassen möchten.

    Die Kosten der Beratung werden in der Regel von den privaten Krankenkassen übernommen. Für gesetzlich versicherte Patienten bietet das Diak eine Beratung zu einem reduzierten Satz an.

    Kontakt:

    Telefon +49 791 753-5185
    Fax: +49 791 753-4945
    E-Mail: : naturheilkunde@diakoneo.de

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