Ehrenamtlich arbeiten in der Begleitung sterbender Menschen


„Ohne unsere Ehrenamtlichen müssten wir hier auf vieles verzichten“, davon ist Friederike Leuthe überzeugt. Als Leiterin eines Wohn-und Pflegeheimes für Senioren der Diakonie Neuendettelsau im Erlanger Ortsteil Büchenbach, muss sie es wissen:

Im Bodelschwingh-Haus Erlangen sind über 40 Ehrenamtliche im Einsatz. Neue werden immer gesucht. Neben Einsatzmöglichkeiten wie Vorlesen, Begleitung bei Ausflügen und Spaziergängen oder im kreativen Bereich bietet das Bodelschwingh-Haus noch eine besondere Möglichkeit des Engagement: die Begleitung sterbender Menschen. Für diese anspruchsvolle Aufgabe werden die Ehrenamtlichen extra geschult und gut betreut.

Für die Hospiz- und Palliativversorgung hat das Haus im Jahr 2016 eigens ein Qualitätssystem eingeführt, das die Anforderungen PallExcellence© des Spitzenverbandes Bayerischer Hospiz- und Palliativverband erfüllt.

Ehrenamtliche in Erlangen
Für Ehrenamtliche bietet das Bodelschwingh-Heim in Erlangen vielfältige Einsatzmöglichkeiten. © Niklas

Ulrike Englmann hat mit Friederike Leuthe über den Einsatz von Ehrenamtlichen in ihrem Haus gesprochen:

Was genau können Ehrenamtliche im Bodelschwingh-Haus tun und wie werden sie unterstützt?

Friederike Leuthe: In Bezug auf die Einsätze gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten! Das richtet sich ja auch immer danach, was dem Ehrenamtlichen liegt, was er gut kann. Hilfreich sind zum Beispiel Besuche bei unseren Bewohnerinnen und Bewohnern zum Vorlesen oder zum Gespräch. Auch die Einsätze als Begleitperson bei Spaziergängen im Park oder am nahegelegenen Europakanal sind sehr gern gesehen. Wir selbst, also unser Pflegepersonal, ist zeitlich so eingespannt dass wir keine Möglichkeit haben, unsere Seniorinnen und Senioren zum Einkaufen, zu Veranstaltungen in die Stadt oder zu geselligen Nachmittagen zu begleiten. Da sind wir immer froh um Menschen, die sich mit uns engagieren wollen. Auch bei Ausflügen zu Sing- und Bewegungsaktivitäten freuen sich unsere Bewohnerinnen und Bewohner über eine freundliche Begleitung. Aber die Interessenten können sich auch mit ihren eigenen Ideen einbringen und dann besprechen wir gemeinsam, wie so ein Einsatz aussehen kann und welche Unterstützung von unserer Seite dabei nötig ist.

Oft ist es eher das Kleine, das Unscheinbare und Unbedeutende, das einen Menschen froh macht und auf diese Weise Bedeutung bekommt, beispielsweise ein Blick, ein Lächeln, ein freundlicher Gruß oder ein kurzes persönliches Gespräch. Aber auch kleine Berührungen oder ein zum hundertsten Mal wiederholtes Ritual können hilfreich sein.


Gute Vorbereitung und Betreuung der Ehrenamtlichen


Wie bereiten Sie die Ehrenamtlichen auf ihre Einsätze vor?

Friederike Leuthe: Die Menschen, die bei uns leben, erleben sich oft sehr weit weg vom Leben draußen. Daher möchten wir die Barrieren zwischen „Drinnen und Draußen“ so weit wie möglich beseitigen. Das heißt einerseits wir holen das Draußen nach Drinnen, andererseits wollen wir unseren Bewohnerinnen und Bewohnern den Weg nach draußen erleichtern und dazu brauchen wir auch immer wieder freundliche Helferinnen und Helfer. Wir möchten, dass unsere Ehrenamtlichen gut im Haus eingebunden sind, die Abläufe kennen und sich gut in die bestehenden Strukturen einfügen können. Dann arbeiten wir Hand in Hand und auf diese Weise werden sie echte Teammitglieder. Jeder hat eben seine eigene Aufgabe.

Wir organisieren für unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßige Treffen und geben ihnen vielfältige Informationen und Hilfen an die Hand, damit sie ihre Aufgabe gut und gerne erfüllen können. Dazu gehören hausinterne und externe Fortbildungsangebote wie zum Beispiel Informationen über Arbeitssicherheit oder Deeskalationstrainings, aber auch informeller Austausch mit anderen Ehrenamtlichen und natürlich das gemeinsame Feiern. Außerdem haben wir eine stattliche Sammlung an Hilfsmitteln, die wir beispielsweise für Kunstprojekte in unseren Räumen zur Verfügung stellen.

In unseren Fortbildungen lernen die Ehrenamtlichen, wie sie mit älteren Menschen umgehen, wie man zum Beispiel eine Berührung ausführt oder ein kurzes Stück Arm in Arm geht ohne dabei übergriffig oder überfürsorglich zu werden. Anhand von Filmen oder in Rollenspielen lernen Begleiter oder auch Angehörige, sich in das Erleben unserer Bewohnerinnen und Bewohner einzufühlen. Hier kommen auch Themen vor, die man nicht so einfach anspricht, z. B. das Thema „Altern und Sex“. So können Berührungsängste abgebaut werden und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen, auch Tabuthemen anzusprechen.

Schulung für Ehrenamtlich
Für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer gibt es auch ein Schulungsangebot. © Niklas


Zertifikat für hochwertige Palliativversorgung


Sie bieten eine spezielle Ausbildung zum Thema Palliative Care an. Worum geht es da konkret?


Friederike Leuthe: Mit der Ausbildung haben wir im Jahr 2012 begonnen und inzwischen zirka 75 Prozent unserer Mitarbeitenden geschult. Die Ausbildung ist von PallCert Europe zertifiziert. Die PallCert Europe ist als lizensiertes Unternehmen für die Zertifizierung des Verfahrens PallExcellence© tätig. Die Lizenz vergibt der Bayerische Hospiz- und Palliativverband e.V. (BHPV) als Landesvertretung der Hospiz- und Palliativarbeit in Bayern und muss alle zwei Jahre erneuert werden. Mit der Zertifizierung - auf Basis des vom Verband entwickelten und getragenen Verfahrens PallExcellence© - belegt ein in der stationären Versorgung von Menschen tätiges Unternehmen seine qualitativ hochwertige Palliativversorgung.


Auch unsere Ehrenamtlichen können an dieser Weiterbildung teilnehmen – in einer verkürzten Form. Dabei laufen die Kurse teilweise parallel und der letzte Tag der Fortbildung wird für beide Gruppen in lockerer Form miteinander gestaltet. Das sorgt dann für viele Gemeinsamkeiten und wir lernen, dass man trotz all dieser schweren Themen auch lachen darf. Natürlich lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in diesem Kurs auch eine Menge über sich selbst. Wie stehe ich selbst zum Thema Tod? Habe ich mich schon mit meinem eigenen Sterben auseinandergesetzt? Das sind Fragen, die man auch für sich selbst beantworten muss, wenn man in diesem Bereich arbeiten will. Auch für Angehörige sind dies oft entscheidende Impulse. Diese gemeinsamen Tage fördern das Entstehen einer gemeinsamen Kultur in unserer Einrichtung. Wir wissen, dass wir alle vom gleichen reden und können uns so entsprechend ergänzen.


Wie sieht die Sterbebegleitung denn praktisch aus?


Friederike Leuthe: Sterben ist ein Prozess in einem Beziehungsgeflecht, das geschieht nicht allein. Da gibt es die Angehörigen, die Pflegekräfte und Ärzte und die Einrichtung selbst. In dieses System müssen sich die Ehrenamtlichen einfügen. Der Kontakt zu den Angehörigen spielt dabei häufig die Hauptrolle und ist mit einer hohen Wertschätzung ihnen gegenüber verbunden. Hilfreich ist es, wenn die Angehörigen und Ehrenamtlichen möglichst früh in den Prozess eingebunden und auch angeleitet werden. Da bieten sich Spaziergänge an, Gespräche oder auch das Vorlesen von Geschichten. Auch ist es wichtig, dabei auf sich selbst zu achten. Jedes Sterben ist eine Anfrage an uns selbst, schließlich geht uns der Sterbende nur ein Stückchen voraus.

Freude am Ehrenamt
Als Ehrenamtlicher kann man sich auch für einzelne Projekte engagieren. © Niklas

Begegnung zwischen Senioren und jungen Leuten


Kann man sich bei Ihnen auch noch in anderen Bereichen ehrenamtlich engagieren?


Friederike Leuthe: Oh ja! Vor einigen Wochen begleitete uns eine achtköpfige Schülergruppe der nahe gelegenen Mittelschule. Die Schülerinnen und Schüler im Alter von 11-14 Jahren hatten sich für ihren Einsatz die Mittagszeit überlegt und wir wussten erst gar nicht, wie wir das arrangieren könnten. Aber dann kamen wir auf die Idee, die Gruppe zu verteilen und setzen während des Mittagessens jeweils einen Schüler an einen Bewohnertisch mit der Aufgabe, sich am Tisch ein bisschen um die Senioren zu kümmern, das heißt, darauf zu achten, dass alles da ist und dass jeder das bekommt, was er möchte. Die Wirkung war für alle Beteiligten eine Bereicherung: Unsere Seniorinnen und Senioren begannen, sich um die jungen Leute zu kümmern und ihnen zu erzählen und die Jugendlichen konnten sich ganz unbefangen auf die Begegnungen und die Gespräch einlassen und erfahren, was es bedeutet, alt zu werden. Das hat allen Beteiligten viel Freude gemacht.


Wir haben inzwischen über vierzig Ehrenamtliche, die sich dauerhaft oder eben einfach für ein einzelnes Projekt bei uns einbringen. Gerade auch die Arbeit in einem abgeschlossenen Projekt macht vielen Leuten Freude. Das ist klar begrenzt und hat einen Anfang und ein Ende. Die ehrenamtliche Tätigkeit in einem Seniorenheim ist schon auch eine Herausforderung: viele Menschen kommen erst sehr spät zu uns, wenn sie ein hohes Maß an Pflege benötigen und manchmal reagieren sie gar nicht oder einfach anders, als man das erwarten würde. Aber es kommt auch viel zurück. Die Menschen lehren uns am Ende ihres Lebens, worauf es wirklich ankommt. Oft genügen da ein oder zwei Sätze in einem Gespräch und alles ist gesagt.

Die Menschen im Bodelschwingh-Haus freuen sich immer über neue Ehrenamtliche:

Kontakt Bodelschwingh-Haus

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Bodelschwingh-Haus Erlangen
Einrichtungsleitung: Friederike Leuthe
Habichtstraße 14
91056 Erlangen

Tel.: + 49 (0) 91 31 / 309 – 5
E-Mail: info@bodelschwingh-haus-erlangen.de

 

 


Ehrenamtliches Engagement bei Diakoneo: Kontakt

Kontakt:
Referat Freiwilligendienste
Koordination Ehrenamt
Denise Kapp
Wilhelm-Löhe-Str. 26
Telefon: 09874 8-3573
E-Mail: denise.kapp@diakonieneuendettelsau.de

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20. März 2019

"Bei uns – Miteinander – Aktiv sein" lautet das Motto im Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz in Forchheim. Um dieses Motto mit Leben zu füllen, setzen die Verantwortlichen unter anderem auf das Engagement von Ehrenamtlichen.

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