In Himmelkron entsteht eine Gruppe für Menschen mit herausforderndem Verhalten

Von Thomas Schaller

„Wir wollen ein Angebot für Menschen schaffen, die kaum eine andere Chance haben“, meint Armin Wissel, der im Raum Himmelkron für die Wohnangebote der Diakonie Neuendettelsau für Menschen mit Behinderung verantwortlich ist. In eine neue Gruppe sollen Männer und Frauen mit einer geistigen Behinderung und außergewöhnlichem Hilfebedarf einziehen, die an anderen Stellen nicht zurechtgekommen sind. Das sind in der Regel Menschen mit einer geistigen Behinderung, die zusätzlich  gravierende Verhaltensstörungen aufweisen.

Für die Gruppe werden ab sofort Fachkräfte gesucht: Heilerziehungspfleger- und pflegerinnen, Erzieherinnen und Erzieher, Krankenschwestern und Krankenpfleger oder Psychatriepfleger- und pflegerinnen.

Armin Wissel sieht in diesem Projekt auch eine Erfüllung des diakonischen Auftrages, dem die Diakonie Neuendettelsau verpflichtet ist: "Diejenigen aufnehmen, die sonst keine Perspektive hätten und ihnen eben diese Perspektive geben."

Besondere Jobs für HEPs in Oberfranken
Sabrina Appelius, Simone Nürnberger und Alexander Roder sind ein eingespieltes Team bei der Betreuung von Menschen mit herausforderndem Verhalten. Jetzt wollen die Himmelkroner Dienste für Menschen mit Behinderung den nächsten Schritt gehen und eine Gruppe für Männer und Frauen aufbauen, „an denen andere gescheitert sind“. © Schaller

Die Himmelkroner Dienste für Menschen mit Behinderung haben viel Erfahrung in der Betreuung von Menschen, die sich herausfordernd verhalten. Dennoch stoßen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in manchen Fällen an ihre Grenzen. Jetzt will das Team den nächsten Schritt tun und in einem Wohnprojekt eine neue Herangehensweise an solche Verhaltensweisen verwirklichen.

Der Bezirk Oberfranken hat sich bereit erklärt, die nötigen Voraussetzungen zu schaffen. Geplant ist eine kleine Gruppe für sechs Männer und Frauen in einem geschützten und geschlossenen Rahmen. Da diese Menschen in der Gemeinschaft nicht zurechtkommen und kaum Kompromisse schließen können, bekommt jeder ein Einzelzimmer und eine intensive Betreuung.

Zwei Fachkräfte und je ein Assistent in der Wohngruppe

Zwei Fachkräfte werden tagsüber in der Gruppe sein. Jede Fachkraft hat einen Assistenten, der für ihre Sicherheit garantiert, denn es kann vorkommen, dass die Bewohner sich und andere gefährden. Das Team wird von einem Hintergrunddienst unterstützt, der sich um Organisatorisches kümmert. Die Räume, die für die Gruppe vorgesehen sind, werden in den nächsten Monaten renoviert und ausgebaut, so dass das Projekt voraussichtlich im kommenden Jahr starten wird.

Dafür brauchen die Himmelkroner aber noch Mitstreiter, die sich dieser Herausforderung stellen. Gesucht werden starke Persönlichkeiten mit Selbstbewusstsein und Durchsetzungskraft, die bereit zum Lernen und auch in kritischen Situationen handlungsfähig sind.

Sabrina Appelius, Simone Nürnberger, Alexander Roder und Sandra Müller arbeiten in Himmelkron mit Menschen, die sich herausfordernd verhalten. Ihr Team ist es, das sie auch noch nach Jahren bei dieser schwierigen Aufgabe hält. Sie können sich voll aufeinander verlassen. Viele Kompetenzen, die sie bei der Arbeit erworben haben, nehmen sie für’s Leben mit.
„Wir gehen viel in die Tiefe“, meint Alexander Roder. Die Arbeit in einer „Routine-Gruppe“ wäre auf Dauer nichts für ihn. In dem über Jahre gewachsenen Team versteht man sich schon über Blicke. Sie können sich in der neuen Gruppe aber auch Berufsanfänger mit Potenzial vorstellen, denn Flexibilität und Mitdenken sind ebenfalls gefragt. Ob um 6 Uhr oder um 7 Uhr geweckt wird, ist in diesem Kontext nicht so wichtig – aber ein Gefühl für die aktuelle Grundstimmung unverzichtbar.

Arbeit für belastbare Menschen

Armin Wissel weiß, dass er besondere Arbeitsstellen zu vergeben hat: "Es ist eine wertige Arbeit. Eine Aufgabe für belastbare Menschen, die etwas tun wollen, das sonst keiner kann."

Das Team in Himmelkron hält die neue Gruppe für sehr wichtig, weil es „Menschen in Deutschland gibt, die nicht versorgt sind, aber trotz all ihrer Probleme eine Heimat brauchen, um sich entwickeln zu können“. Die Beziehungen zu ihren Betreuern sind oft die einzige Konstante im Leben dieser Menschen. Gelingen diese Beziehungen, können Selbstbewusstsein und Kompromissfähigkeit wachsen – aber „wenn’s kracht, krachts“, da gebe es nichts zu beschönigen. „Es geht darum, Lebenswege in eine andere Richtung zu lenken“, sagt Sandra Müller.


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