Entstehung und Behandlung von Blutschwämmchen 


Blutschwämmchen finden sich bei etwa fünf Prozent aller Neugeborenen. Gut die Hälfte aller Hämangiome bildet sich von selbst zurück, in den anderen Fällen können die Kinderchirurgen mit verschiedenen Methoden Behandlungserfolge erzielen.
Belma Pistor, Oberärztin der Kinderchirurgie an der Cnopfschen Kinderklinik in Nürnberg erläutert verschiedene Behandlungsarten:

Infantile Blutschwämmchen, sogenannte Hämangiome, finden sich bei etwa fünf Prozent aller Säuglinge und sind somit der häufigste gutartige Tumor im Säuglings- und Kleinkindesalter. Bei Frühgeborenen treten Hämangiome deutlich häufiger auf. Die Entstehung ist noch nicht vollständig geklärt, man geht von einem komplexen, regulatorischen Defekt bei der Entstehung der Blutgefäße in der Frühschwangerschaft aus. Offenbar spielt auch eine plazentare Sauerstoffmangelversorgung eine Rolle.


Behandlung von Hämangiomen
Bei der Behandlung von Blutschwämmchen werden meist sehr gute Behandlungserfolge erzielt.


Hämangiome erscheinen in den ersten Lebenswochen


Klassischerweise erscheinen die Hämangiome in den ersten Lebenswochen, gelegentlich sind sie auch bereits zur Geburt vorhanden. In den folgenden Wochen und Monaten wachsen die Hämangiome am stärksten. Diese Wachstumsphase dauert üblicherweise sechs bis neun Monate, ehe sich eine Ruhephase ohne weiteres Wachstum anschließt. Die Rückbildungsphase dauert deutlich länger und kann manchmal sogar bis zur Pubertät anhalten. Die Hälfte aller infantilen Hämangiome bildet sich nahezu vollständig zurück. Bei den übrigen und vor allem größeren Hämangiomen verbleibt oftmals ein störender Befund wie eine auffallende Pigmentierung oder Narben.


Die Indikation zur Behandlung eines Hämangioms ist vor allem abhängig von der Lage, der Größe, der Wachstumsdynamik und von drohenden Komplikationen. Hämangiome im Gesicht müssen dabei besonders beurteilt werden, denn sie können zu einer funktionellen Beeinträchtigung der Augen, der Nase, des Mundes und der Ohren führen. Bei Beteiligung der Lippen, Zunge oder Mundschleimhaut kann es zur Behinderung der Nahrungsaufnahme kommen.

Kryotherapie, Lasertherapie oder Chirurgie  Propranolol

Erstes Ziel der Hämangiombehandlung ist, bei möglichst geringen Nebenwirkungen, das Wachstum zu stoppen und die Rückbildung einzuleiten. Befindet sich ein Hämangiom bereits in Rückbildung oder ist kein weiteres Wachstum mehr aufgetreten, kann es dem Spontanverlauf überlassen werden. Die kosmetischen Ergebnisse sind dabei umso besser, je früher die Behandlung erfolgt. In der Cnopfschen Kinderklinik wurden in den letzten drei Jahren mehr als 900 Kinder mit Hämangiomen behandelt, davon 176 stationär.

Ist eine Behandlung notwendig, kommen mehrere Möglichkeiten in Frage:
  • Kryotherapie
  • Lasertherapie
  • chirurgische Entfernung
  • eine systemische Behandlung mit Propranolol

Die Kryotherapie ist auch heute noch eins der am meisten verwendeten Verfahren. Dabei wird ein minus 32 Grad kalter Stempel für etwa 15 Sekunden auf die betroffene Stelle gehalten. Dieser Vorgang muss in der Regel einige Male im Abstand von etwa vier Wochen wiederholt werden bis ein Wachstumsstopp zu verzeichnen ist. Großflächige Hämangiome wurden bis vor einigen Jahren noch vermehrt durch einen chirurigischen Eingriff behandelt oder gelasert. Bei extrem komplizierten Verläufen mit massivem Wachstum, sodass auch eine Herz-Kreislauf-Belastung vorliegt, wurde Cortison systemisch verabreicht - unter Duldung der bekannten Nebenwirkungen.


Gute Erfolge mit Propranolol


Seitdem 2008 in Frankreich die bahnbrechende Entdeckung der Wirkung von Propranolol auf Hämangiome festgestellt wurde, sind sowohl die Laser- und Cortisonbehandlung als auch die chirurgische Option immer mehr in den Hintergrund gerückt. Die systemische Anwendung des Arzneistoffs Propranolol zur Behandlung von komplizierten Hämangiomen ist seit September 2014 offiziell zugelassen. Die Behandlung mit Propranolol erstreckt sich über mehrere Monate. Erste klinische Ergebnisse sind bereits in den ersten Tagen der Therapie sichtbar. Mehrere Studien zeigen eine Ansprechrate von 98 Prozent.


Bei sehr gutem Ansprechen der Behandlung mit Propranolol systemisch wird seit 2010 auch die topische Behandlung von Propranolol eingesetzt; bislang noch im off-label-use, also außerhalb des behördlich zugelassenen Gebrauchs. Die Indikation zur topischen Behandlung mit Propranolol ist für die Hämangiome, die zu groß sind für eine Kryotherapie, aber zu harmlos für eine systemische Behandlung. Studien haben gezeigt, dass es auch eine Behandlungsoption für Frühgeborene ist, die systemische Behandlung jedoch nicht. Auch die Cnopfsche Kinderklinik hat sehr gute Erfahrungen mit der topischen Behandlung mittels Propranolol gemacht. 

Kinderchirurgische Sprechstunde im MVZ Hallerwiese

Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Hallerwiese kümmerst sich in einer kinderchirurgischen Sprechstunde um die Behandlung von Blutschwämmchen.

Die kinderchirurgische Sprechstunde findet statt:
Donnerstag und Freitag zwischen 8.00 Uhr und 13 Uhr.

Kontakt MVZ Hallerwiese




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